Marktbericht: Das dritte Quartal 2022

Okt 28, 2022Finanzberatung, Marktbericht

Auch im dritten standen die Börsen weiterhin unter dem Eindruck hoher Inflation, des Anstiegs der Zinsen und der sich gleichzeitig verschärfenden Rezessions-sorgen.

Zinsen, Renten, Währungen und Rohstoffe

Zu den Ängsten um die anhaltend hohe Inflation ge­sellten sich zunehmende Konjunktursorgen. Sowohl in den USA als auch in Europa verschlechterte sich die Stimmung bei Unternehmen und Privathaushalten. Die Einkaufsmanager-Indizes signalisieren einen Ab­schwung. Die Gemengelage aus hohen Inflationsraten, nicht funktionierenden Lieferketten, dem Krieg in der Ukraine und dem Stopp russischer Gaslieferungen an immer mehr europäische Ländern belasten Privathaus­halte und Unternehmen. Zudem zeigte sich, dass Chi­na mit seiner Null-Covid-Politik keinen umfassenden Erfolg hat.

Die für den Juni ermittelte US-Inflation kletterte mit 9,1 Prozent auf den höchsten Stand seit November 1981. Erstmals seit Jahrzehnten stehen die Notenbanken vor der undankbaren Aufgabe, die Konjunktur in einem Ab­schwung mit Zinserhöhungen belasten zu müssen, um den starken Anstieg des Preisniveaus zu bremsen.

Mitte Juni hatte die US-Notenbank ihren wichtigsten Leitzins, die sogenannte Fed Funds Rate, ein zweites Mal in diesem Jahr erhöht. Mit einem ungewöhnlich hohen Zinsschritt von 0,75 Prozentpunkten hatte sie ihre Entschlossenheit demonstriert. Dies dürfte dazu beigetragen haben, dass im Juli auch die Europäische Zentralbank (EZB) eine Leitzinserhöhung erklärte, die über den Erwartungen lag. Obwohl sie selbst im Juni nur einen Zinsschritt von 0,25 Prozentpunkten ange­kündigt hatte, wurden die EZB-Leitzinsen im Juli um 0,50 Prozentpunkte angehoben.

Daraufhin fiel die Rendite zehnjähriger Bundesanlei­hen erstmals seit Ende Mai unter die Ein-Prozent-Mar­ke. Dieser Zins hatte Mitte Juni kurzzeitig sogar 1,8 Prozent überschritten. Bis Anfang August sank die Zehn-Jahres-Rendite auf nur 0,72 Prozent. Die Rendi­te zehnjähriger US-Staatsanleihen, die Mitte Juni noch ein Zehn-Jahres-Hoch bei 3,48 Prozent erreicht hatte, kam bis Anfang August auf 2,53 Prozent zurück. Hoff­nungen, die Phase rasch aufeinanderfolgender hoher Zinsanhebungen sei vorbei, bewahrheiteten sich nicht. Die Börsen fieberten der Notenbankkonferenz von Jackson Hole entgegen. Die dortigen Äußerungen von Fed-Präsident Jerome Powell wurden als Fortsetzung einer straffen Geldpolitik verstanden und belasteten die Börsen. „Die Wiederherstellung der Preisstabilität wird wahrscheinlich die Fortsetzung einer restriktiven Geldpolitik für einige Zeit notwendig machen”, sagte der Fed-Chef im Rahmen der Notenbankkonferenz. Zudem spreche die historische Erfahrung dagegen, die Geldpolitik zu früh zu lockern. Dass sowohl die Euro­päische Zentralbank (EZB) als auch die US-Notenbank Federal Reserve ihre Leitzinsen im September um je­weils 75 Basispunkte anhoben, schockierte die Börsen nicht mehr. Mit großer Enttäuschung wurde dagegen der nur leichte Rückgang der Inflation in den USA auf­genommen. Für den Monat August lag die Teuerungs­rate bei 8,3 Prozent – nach 8,5 Prozent im Vormonat. Mehrheitlich erwartet worden war ein Rückgang auf 8,1 Prozent.

An den Rentenmärkten setzten sich nach der kleinen Erholung bis Anfang August die Kursverluste fort. Die Verzinsung für US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit erreichte in der letzten Septemberwoche mit 3,99 Prozent den höchsten Wert seit 2010 und been­dete das dritte Quartal mit einem Anstieg um 0,80 Pro­zentpunkte bei 3,83 Prozent. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen stieg im dritten Quartal ähnlich, und zwar um 0,76 Prozentpunkte von 1,35 auf 2,11 Prozent. In der Spitze erreichte die Rendite mit 2,27 Prozent den höchsten Stand seit vielen Jahren. Der Bund-Future, der die Kursentwicklung von Bun­desanleihen an der Terminbörse wiedergibt, verzeich­nete im dritten Quartal mit einem Minus von 7,1 Pro­zent auf 138,3 Punkte einen noch höheren Kursverlust als im Vorquartal.

An den Devisenmärkten beschleunigte sich der Auf­wärtstrend des US-Dollar nochmals. Haupttreiber ist der Zinsanstieg in den USA. Zudem belasteten der russische Angriffskrieg in Europa und seine Folgen die europäischen Währungen und begünstigten eine Art Flucht in den Dollar. Die europäische Gemeinschafts­währung fiel auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren. Von Juli bis Mitte September hatte sich die Marke von eins zu eins zwischen US-Dollar und Euro, die sogenannte Parität, als Unterstützungszone gezeigt, aber ange­sichts der Entwicklungen im September fiel der Euro im Tief auf rund 95 amerikanische Cent. Bis Ende Sep­tember erholte er sich auf 0,98 USD/EUR, was für das dritte Quartal immer noch einen Rückgang des Euro gegen US-Dollar von 6,5 Prozent bedeutet.

Dass es sich dabei eher um eine Dollar-Stärke als eine Euro-Schwäche handelt, zeigt der Blick auf die großen asiatischen Währungen: Der japanische Yen verlor im dritten Quartal gegen Dollar 6,6 Prozent (auf 144,7 Yen pro US-Dollar) und der chinesische Renminbi 6,3 Pro­zent (auf 7,12 Yuan pro US-Dollar). Das britische Pfund litt unter den Plänen der neuen Regierung unter Premierministerin Liz Truss, die zu einem starken An­stieg der Staatsschulden führen würden. Gegen US-Dollar verlor das britische Pfund 8,6 Prozent, gegen den Euro 2,0 Prozent auf 0,878 GBP/EUR. Die türki­sche Währung wird weiterhin dadurch belastet, dass die Notenbank trotz galoppierender Inflation die Leit­zinsen senkte. Die türkische Lira ging auf dem ermä­ßigten Niveau in eine Seitwärtsbewegung (zwischen 17,2 und 18,6 TRY/EUR) über.

Stabilisierung bei Kryptowährungen nach Kursverlus­ten: Durch die hohen Kursverluste im vorausgegange­nen Quartal waren einige Unternehmen der Krypto-Branche in Schwierigkeiten geraten. Anfang Juli muss­te der Krypto-Hedgefonds Three Arrows Capital Insol­venz anmelden. Der Fonds verwaltete zwischenzeitlich ein Vermögen von rund 10 Milliarden US-Dollar und war damit der bislang größte Krypto-Hedgefonds in der noch jungen Geschichte der Asset-Klasse. Schließlich stabilisierten sich die Kryptowährungen im Laufe des Quartals. Auslöser der Kurserholung war ein im Juli veröffentlichter Zeitplan der Ethereum-Blockchain-Ent­wickler, wonach die Umstellung (Merge) vom Proof-of-Work- auf das Proof-of-Stake-Verfahren den Datenver­kehr bald schneller und ressourcenschonender organi­sieren soll.

Die mehrfach verschobene Umstellung wurde Mitte September tatsächlich ohne größere technische Pro­bleme vollzogen, sie führte aber zu Kursverlusten, weil offenbar Positionen aufgelöst wurden, die auf den Mer­ge hin gekauft worden waren. Ein Positiv-Ausreißer unter den größeren Kryptowährungen war XRP mit ei­nem Sprung von rund 30 Prozent, weil sich Vertreter des XRP-Entwicklers Ripple Labs zuversichtlich zum Ausgang des seit Ende 2020 schwelenden Rechts­streits mit der US-Börsenaufsicht SEC äußerten. Die SEC möchte XRP als Wertpapier einstufen. Beide Sei­ten haben ein Urteil im Schnellverfahren beantragt. Der Bitcoin beendete das Quartal schließlich bei gut 19.400 US-Dollar, knapp drei Prozent mehr als Mitte des Jahres.

An den Rohstoffmärkten überwogen angesichts zuneh­mender Sorgen um die Weltkonjunktur Preisrückgän­ge. Die bevorstehende Rezession wird die Nachfrage auf den Weltmärkten sinken lassen. Der Bloomberg Commodity Index sank um 4,8 Prozent. Vor allem der Ölpreis, der im ersten Quartal um mehr als 40 Prozent nach oben geschossen war und sich dann auf hohem Niveau gehalten hatte, sank im dritten Quartal, letzt­endlich um 22 bzw. 24 Prozent auf 85 US-Dollar für ein Barrel der europäischen Ölsorte Brent bzw. 79 US-Dol­lar für ein Barrel der US-Ölsorte WTI. Der Kupferpreis, der schon im Vorquartal um gut 20 Prozent gefallen war, gab weitere 9 Prozent nach.

Die Edelmetallpreise konnten weiterhin nicht von den Krisen und Sorgen profitieren, sondern litten unter dem Zinsanstieg, weil zinslose Edelmetalle einen Verzicht auf alternativ mögliche Zinseinnahmen bedeuten. Der Goldpreis verringerte sich im dritten Quartal um 8,1 Prozent auf 1.660,50 US-Dollar pro Unze. In Euro fällt der Rückgang aufgrund des Dollar-Anstiegs weiterhin geringer aus: minus 1,7 Prozent auf 1.694,25 Euro. Der Silberpreis sank um 5,9 Prozent auf 19,03 US-Dol­lar pro Unze. Aufgrund des im gleichen Zeitraum um 6,5 Prozent gestiegenen US-Dollar-Wechselkurses wurde Silber in Euro gerechnet teurer.

Aktienmärkte

Schon im Laufe des Julis drückten die Inflations-, Zins- und Konjunktursorgen viele Aktienindizes auf oder in die Nähe ihrer Jahrestiefs. Überdurchschnittliche Kurs­schwankungen waren bei Technologie-Aktien zu beob­achten. Sie leiden besonders unter dem Zinsanstieg. Schwache Quartalsergebnisse großer US-Banken be­lasteten zeitweilig Finanzwerte, obwohl diese auch in Europa zu den wenigen Profiteuren wieder höherer Zinsen gehören dürften. Zwischenzeitlich drückten auch die Spannungen zwischen China und den USA um Taiwan auf die Stimmung an den Aktienmärkten.

Überraschend gute US-Konjunkturdaten und die über­wiegend noch guten Unternehmensergebnisse sorgten für positive Impulse. Positiv nahmen die Marktteilneh­mer die Inflationszahlen für den Juli auf: Die US-Inflati­on wurde mit 8,5 Prozent nach 9,1 Prozent im Vormo­nat bekanntgegeben. Dies bestärkte die Hoffnungen, die US-Notenbank könne ihre Zinserhöhungspolitik bald lockern. Äußerungen des Präsidenten des US-Notenbank wurden als Hinweis auf eine Verlangsa­mung der geldpolitischen Straffung verstanden. Und weil die Geschäftsergebnisse und Ausblicke der meis­ten Unternehmen sehr gut ausfielen, darunter bei den Indexschwergewichten Apple und Amazon, setzten die meisten Aktienmärkte zu einer Sommerrallye an, also einer Erholungsphase mit schnell steigenden Aktien­kursen. Der Dow Jones Industrial Average erholte sich vom Zwischentief am 15. Juni in den zwei Monaten bis zum 15. August um 15,6 Prozent. Der stärker von gro­ßen Technologie-Aktien geprägte Nasdaq-100-Index stieg im gleichen Zeitraum um 24,3 Prozent. Weil hier die Kursverluste zuvor deutlich höher ausgefallen wa­ren, reichte das nicht, um den eigenen 200-Tage-Durchschnitt zu erreichen. Im weiteren Verlauf signali­sierte die US-Notenbank, ihre restriktive Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung ungeachtet der schädlichen Aus­wirkungen auf die Konjunktur fortzusetzen. Dies ver­stärkte die Rezessionssorgen. Daraufhin fielen die meisten Aktienindizes auf neue Jahrestiefs.

An den europäischen Aktienmärkten hatte die Som­merrallye erst im Juli begonnen. Der Euro-STOXX-50-Index erholte sich bis Mitte August um fast 14 Prozent, der DAX immerhin um gut 12 Prozent. Die Rallye blieb jedoch eine untergeordnete Gegenbewegung. Schon Mitte August verschlechterte sich die Stimmung. Die Sorgen, die hohe Inflation könne die Europäische Zen­tralbank zu weiteren Zinserhöhungen bewegen, kehr­ten zurück. Zudem nahmen die konjunkturellen Risiken zu, weil Russland seine Gaslieferungen reduzierte und die Preise für Energie stark stiegen.

Die für den gesamten US-Aktienmarkt repräsentative­ren Indizes Dow Jones Industrial Average und S&P-500 verloren im dritten Quartal letztendlich 6,7 bzw. 5,3 Prozent. Die von großen US-Technologiekonzernen geprägten Leitindizes der Nasdaq, der Nasdaq Com­posite und der Nasdaq-100-Index, beendeten das drit­te Quartal mit einem Verlust von 4,1 bzw. 4,6 Prozent. Der Rückzug der Investoren galt im dritten Quartal vor allem den großen, hochkapitalisierten Konzern-Aktien. Der Russell-2000-Index für kleinere US-Aktien verlor im dritten Quartal nur 2,5 Prozent. Bei den 2021 in Un­gnade gefallenen Biotech-Aktien war weiterhin relative Stärke zu beobachten. Der Nasdaq Biotech-Index ver­zeichnete im dritten Quartal gegen den Trend ein klei­nes Plus von 0,5 Prozent.

Die europäischen Aktienmärkte litten im dritten Quartal stärker unter der krisenhaften Entwicklung, insbeson­dere unter der Nähe zu Russland, das seine Gasex­porte weiter reduzierte. Der STOXX-50-Index verlor 3,4 Prozent, der britische Leitindex FTSE-100 3,8 Pro­zent. Der Leitindex für die Euro-Zone, der Euro-STOXX-50, gab etwas mehr nach, und zwar um 4,0 Prozent auf 3.318,2 Zähler. Noch etwas schlechter schnitt der deutsche Leitindex DAX mit einem Rück­gang um 5,2 Prozent auf 12.114,3 Punkte ab. Besser hielt sich der französische Leitindex CAC-40 mit einem Minus von 2,7 Prozent. Dort ist die Abhängigkeit von russischem Gas geringer. Höhere Verluste gab es fol­gerichtig an der Börse Wien und in den zentraleuro­päischen Ländern. So sank der österreichische ATX-Index um 6,5 Prozent und der CECE-Index für Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn sogar um 16,6 Prozent.

Während in den USA und bei globalen Aktienindizes Nebenwerte im dritten Quartal weniger verloren, galt dies nicht für Deutschland. Der MDAX für mittelfgroße Aktien verlor 13,4 Prozent und der SDAX für kleinere Aktien 11,4 Prozent.

Weiterhin differenziert blieb die Entwicklung an den Ak­tienmärkten in Asien. Die japanischen Leitindizes Nik­kei-225 und Topix hielten sich mit Quartalsverlusten von nur 1,7 bzw. 1,9 Prozent im internationalen Ver­gleich gut. An den chinesischen Aktienmärkten ent­standen nach der Kurserholung im zweiten Quartal wieder höhere Kursverluste, was globale Schwellen­länder- und Asien-Indizes, in denen China hohes Ge­wicht hat, stärker belastete. Der Hang Seng China En­terprise Index (HSCE) verzeichnet für das dritte Quar­tal einen Verlust von 23,0 Prozent, der MSCI China ei­nen Rückgang von 23,2 Prozent. Die Gründe dafür lie­gen in anhaltenden Problemen der chinesischen Volks­wirtschaft bei gleichzeitiger globaler Abschwächung und den daraus resultierenden negativen Auswirkun­gen auf China. Überproportionale Kursgewinne ver­zeichnete dagegen der indische Aktienmarkt. Der Lei­tindex der Bombay Stock Exchange BSE Sensex klet­terte im dritten Quartal um 8,3 Prozent.

Sehr unterschiedlich entwickelten sich auch die Aktien­märkte Lateinamerikas. Während an der brasiliani­schen Börse in Sao Paulo Kursgewinne überwogen und der Bovespa-Index um 11,4 Prozent stieg, melde­ten die anderen Börsen Mittel- und Südamerikas über­wiegend Kursverluste. Der mexikanische IPC-Index verlor im dritten Quartal 5,8 Prozent.

Die Aktienkurse der Goldminenbetreiber litten weiterhin stark unter dem fallenden Goldpreis. Der FT Goldmi­nes Branchenindex musste im dritten Quartal einen Rückgang um 18,4 Prozent hinnehmen.

Ihr Berater

Unabhängige Beratung gibt es bei freien Sachverständigen, die beim Bundesverband Freier Sachverständiger e.V. (BVFS) gelistete sind, und bei Honorar-Finanzanlageberatern (nur 316 Honorar-Finanzanlageberater bundesweit, eingetragen im Vermittlerregister, Stand 10/2023).
Bundesweit über Onlineberatung gibt es unabhängige Anlageberatung bei der VorsorgeWerkstatt.

Buchen Sie unser erstes Gespräch einfach online auf meiner Webseite unter:
www.vorsorgewerkstatt.de/beratungstermin/ 

Ihr Armin Ammer, Honorarberater & Finanzberater bei der VorsorgeWerkstatt in Landshut.

"Ich spreche Klartext und setze mich für Verbraucherschutz ein. Als freier Sachverständiger stehe ich für Ethik, Qualität und Transparenz bei der Privaten Finanzplanung. Ich bin geprüftes Mitglied beim Bundesverband Freier Sachverständiger e.V."

Einen unverbindlichen Rückruf vereinbaren